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Wissenschaftstracking und Lock-in-Effekt: 2. Lock-In I Zeitschriftenkrise

Wissenschaftstracking und Lock-in-Effekt
2. Lock-In I Zeitschriftenkrise
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Notes

table of contents
  1. Umschlagsbild
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Logos
  5. Danksagung
  6. Inhalt
  7. Abbildungen
  8. Tabellen
  9. Einleitung
  10. 1. Digitale Souveränität
  11. 2. Lock-In I Zeitschriftenkrise
  12. 3. Lock-In II Institution – Elsevier und RELX
  13. 4. Lock-In II Institution – Tracking
  14. Schluss
  15. Literatur
  16. Anhänge

2. Lock-In I Zeitschriftenkrise

Um die Entwicklung innerhalb des wissenschaftlichen Publikationssektors zu analysieren, möchte ich die Begriffe ‚Pfadabhängigkeit‘, ‚Lock-In‘ sowie ‚Netzwerkeffekt‘ (“network effect”) einführen.

Als “network externality” bezeichnen Katz & Shapiro (1985) einen spezifischen Mehrwert eines Produktes für einzelne Nutzer:innen, der sich aus der Anzahl der Nutzer:innen ergibt: “There are many products for which the utility that a user derives from consumption of the good increases with the number of other agents consuming the good.” (Katz & Shapiro, 1985, 424) Der Mehrwert steigt mit steigender Nutzendenzahl und sinkt, wenn nur wenige Nutzer:innen dieses Produkt verwenden. Die gängige Verwendung folgen Shapiro & Varian (2010) darin, “network effects” als positive network externality zu bezeichnen, also als einen positiven Effekt des Wertzuwachses eines Produktes durch den Zuwachs an Nutzenden.30 Das heißt, dass es unabhängig von der Qualität des Produktes einen Vorteil für Nutzer:innen hat, wenn möglichst viele andere das Produkt ebenfalls verwenden.

Als indirekte Auswirkung des network effects nennen Katz und Shapiro einen möglichen Einfluss auf individuelle Kaufentscheidungen zugunsten eines verbreiteteren Produkts. Die Annahme von Nutzer:innen wäre dabei, dass die Menge möglicher Anwendungen des Produkts mit der Anzahl verkaufter Exemplare zusammenhängt. Es wären laut Katz und Shapiro (1985, 424) demnach mehr Anwendungen des verbreiteteren Produkts verfügbar, als für vergleichbare, aber weniger verbreitete Produkte.

In den späten 1980ern war die Nutzung von Faxgeräten und PCs ein häufiges Beispiel. Aus heutiger Sicht sind social media (Meta) oder die Nutzung nicht interoperabler Software (Microsoft und Apple) naheliegende Belege sowie die Produkte von Elsevier oder Clarivate. Allein die Größe des Nutzendenkreises von Facebook oder Twitter/X und die Vorstellung der Nachteile aus dem Verzicht auf diese Medien reichen aus, damit auch unzufriedene Nutzer:innen das Produkt weiterhin verwenden.31

Pfadabhängigkeit ist ein häufig genutzter Erklärungsansatz für organisationale Trägheit. Sie beschreibt eine „spezifische Dynamik organisatorischer Prozesse“ (Schreyögg, 2014) und hebt die Rolle kontingenter Ereignisse und Prozesse gegenüber einem ökonomischen Rationalitätsideal hervor. Kontingente Entscheidungen führen kumuliert zu Festlegungen für zukünftige Entscheidungen und begünstigen die Fortführung einmal gewählter Strukturen, Abläufe, Produkte etc. selbst dann, wenn diese den verfügbaren Alternativen unterlegen sind: “A path-dependent sequence of economic changes is one of which important influences upon the eventual outcome can be exerted by temporally remote events, including happenings dominated by chance elements rather than systematic forces.” (David, 1985, 332)

Der Begriff wird vor allem mit zwei Arbeiten verbunden, “Clio and the Economics of QWERTY” (David, 1985) und “Competing Technologies, Increasing Returns, and Lock-In by Historical Events” (Arthur, 1989). Paul A. David argumentiert anhand der Einführungsgeschichte der Tastaturanordnung („QWERTY“, weil dies die ersten fünf Buchstaben oben links auf der englischsprachigen Tastatur sind) bei Schreibmaschinen im 19. Jahrhundert. Die Anordnung der Buchstaben diente mechanischen Zwecken. Um die interne Verkeilung des Mechanismus zu vermeiden, wurden solche Buchstaben nebeneinander platziert, die lexikalisch selten nebeneinander vorkommen. Diese rein funktionale Entscheidung war der Schreibmaschinenkonstruktion geschuldet, hat sich jedoch in den digitalen Bereich durchgesetzt. David argumentiert, dass sich die QWERTY-Tastatur sogar gegen die überlegenere Tastatur von August Dvorak durchsetzte, die 1932 patentiert wurde und Vorteile in der Erlernbarkeit und Tippgeschwindigkeit versprach.

Viele kleine, für sich unbedeutende Schritte in einem “contingent, non-reversible dynamical [process], including a wide array of biological and social processes that can properly be described as ‘evolutionary’” (David, 2000, 2) führten dazu, immer mehr QWERTY-Tastaturen zu verkaufen sowie immer mehr Schreibkräfte an QWERTY-Tastaturen und nicht an Dvorak-Tastaturen auszubilden. Diese Dynamiken verstärkten sich gegenseitig. David nennt drei Eigenschaften, die QWERTY zum dominierenden Design machten und die Grundbestandteile einer „QWERTY-nomics“ bilden: “technical interrelatedness, economies of scale, and quasi-irreversibility of investment”. (David, 1985, 334)

Der Erklärungsansatz ist nicht unumstritten. Liebowitz & Margolis (1995) kritisieren sowohl Aspekte der These von Lock-In und Pfadabhängigkeit als auch die Standardbeispiele und argumentieren für eine stärkere Regulierungsfähigkeit des Marktes. Ich werde hier nicht weiter auf diese Kritiken eingehen. Zum einen ist die Überzeugungskraft der markt-libertären Position gering. Zum anderen handelt es sich bei der Pfadabhängigkeit im Wissenschaftssektor (in seiner Zusammenarbeit mit hier besprochenen kommerziellen Anbietern) aus ökonomischer Sicht gerade nicht um einen echten Markt.32

Erreicht die Pfadabhängigkeit ein bestimmtes Maß, spricht man von einem Lock-In, einer „‚verriegelte[n]‘ Lösung“ (Schreyögg, 2014, 4), einem negativen Zustand, in dem ein Pfadwechsel erschwert bzw. verunmöglicht wird/erscheint. Die Verfestigungstendenz bestehender Strukturen kommt in unterschiedlichster Art vor, sowohl in Form „einer bestimmten strategischen Ausrichtung, eines etablierten Geschäftsmodells oder einer spezifischen Kooperationsform“ (Schreyögg, 2014, 2). Diese Tendenz kann bei technologischen wie rechtlichen Lösungen exemplifiziert werden. Dadurch erhalten einmal getroffene Entscheidungen eine überproportionale Rolle für die künftige Entwicklung:

[Es] bildet sich in einem Unternehmen meist unbemerkt und ungewollt ein Pfad heraus, das heißt, die Organisationsmitglieder replizieren unter bestimmten Umständen in ihrem Handeln zunehmend ein und dasselbe Muster, bis schließlich dieser Pfad trotz veränderter Bedingungen nicht mehr oder nur noch mit sehr großen Anstrengungen verlassen werden kann. (Schreyögg, 2014, 2)

Wichtig ist, dass der Zustand der Verriegelung trotz möglicher Nachteile wie Ineffizienz aufrechterhalten wird, weil die einmal gewählte Option nicht mehr so einfach geändert werden kann: „Im Extremfall wird angenommen, dass sich ein zunächst noch offener Prozess schließlich zu einem deterministischen Verlauf verfestigt, an den die beteiligten Entscheidungsträger gewissermaßen gefesselt sind.“ (Schreyögg, 2014, 4) Die „hartnäckigen Beharrungstendenzen“ gegenüber Änderungsbestrebungen werden durch „selbstverstärkende Effekte“ erklärt, „die eine Eigendynamik entfalten, die ab einem bestimmten Punkt kaum mehr zu stoppen ist.“ (Schreyögg, 2014, 2-3, Herv. im Original)

Ab einem bestimmten Zeitpunkt schließt sich der Pfadbildungsprozess, es entsteht die Situation des Lock-in. Von da an gibt es entweder keine Alternativen mehr (wie im Falle QWERTY) oder die Handlungsmuster sind so verriegelt, dass effektivere Alternativen zwar verfügbar sind, aber nicht mehr ergriffen werden können. Es liegt dann vollkommene Pfadabhängigkeit vor, sie wirkt in dem Sinne deterministisch, als sie andere Handlungsmuster ausschließt. (Schreyögg, 2014, 9)

Diese Entwicklung stellt Schreyögg im Drei-Phasen-Modell (Schreyögg & Sydow, 2011) dar (Abbildung 2). Die erste Phase ist durch eine Fülle alternativer Optionen (Sterne) gekennzeichnet, von denen eine verfügbar erscheinende (grauer Bereich) ausgewählt wird. Bereits in Phase I gibt es einen kritischen Moment („critical junction“), ab dem die weitere/wiederholte Nutzung der Option selbstverstärkende Effekte zeigt und sich ein Pfad ausbildet (Phase II). Dieser Pfad wird zunehmend fester, es zeigen sich „positive Rückkopplungseffekte“ (Schreyögg, 2014, 6), während in der zweiten Phase die Menge der Optionen zu einem bestimmten Zeitpunkt auf eine schrumpft. Das ist der Lock-In-Moment. Ab da befindet sich die Organisation in Phase III, in dem die vormalige Option nicht mehr optional, sondern zwingend scheint.

Abbildung 2: Drei-Phasen-Modell der “organisational path dependence” (Schreyögg & Sydow, 2011, 323).
Abbildung 2: Drei-Phasen-Modell der “organisational path dependence” (Schreyögg & Sydow, 2011, 323).

Bemerkenswert an diesem sozialen Phänomen ist, dass Entscheidungsprozesse und einmal etablierte Praktiken “tend to continue to reproduce this and only this particular outcome”, auch wenn sich äußere Bedingungen ändern oder effizientere Lösungen verfügbar werden (Schreyögg & Sydow, 2011, 325). Wie sich dies im Wissenschaftskontext zeigt, bespreche ich im Folgenden.

2.1 Entwicklung der Pfadabhängigkeit im wissenschaftlichen Publizieren

Die zentralen Entwicklungen im wissenschaftlichen Publizieren der letzten Jahrzehnte, die zum Lock-In im Publikationsbereich führten, werden unter dem Begriff ‚Zeitschriftenkrise‘ in ihrer Entstehung in die 1990er Jahre verortet. Die zugrundeliegenden Probleme sind eine Verflechtung aus mindestens vier Elementen: erstens, der Kommerzialisierung der Wissenschaft; zweitens, der Konzentration auf dem Verlagsfeld, die es wenigen Verlagen ermöglichte, viele zentrale Zeitschriften zu bündeln und unverhältnismäßige Preissteigerungen zu verlangen; drittens, dem Status wissenschaftlicher Literatur, der sie – in ökonomischer Terminologie – zu einem nicht-ersetzbaren Gut macht und viertens, der Digitalisierung und Plattformisierung der kommerziellen Angebote. Die heutige Situation beschreibt Jeff Pooley (2024) so: “Commercial scholarly publishing is a mechanism to transfer value from scholars, taxpayers, universities to the world’s most profitable companies.”

Wissenschaftliche Kommunikation durch Zeitschriften geht knapp 360 Jahre zurück, auf die Entstehung der ersten Zeitschriften aus wissenschaftlichen Fachgesellschaften in England und Frankreich 1665.33 Individuelle Korrespondenz wurde durch das Zeitschriftenformat im Laufe der Zeit institutionalisiert und für Fachkreise verbreitet, die so am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen und Forschungsergebnisse schnell mitteilen konnten. Mit wachsender Zahl der Zeitschriften wuchs auch ihre Bedeutung, sie trugen zur Professionalisierung und Spezialisierung der Forschung bei, vor allem in naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen (Larivière et al., 2015). Auch wenn schon in der Viktorianischen Epoche wirtschaftliche Akteur:innen Zeitschriften publizierten, wurden die meisten Zeitschriften von Fachgesellschaften herausgegeben (Larivière et al., 2015). Zu einem einträglichen Geschäft wurden wissenschaftliche Zeitschriften erst nach 1945, in beträchtlichem Maße dank Robert Maxwell. Dieser kommerzialisierte die politische Förderung der wissenschaftlichen Kommunikation nach dem zweiten Weltkrieg, stieß die Gründung zahlreicher Zeitschriften an und machte ein Modell attraktiv für Wissenschaftler:innen, bei dem sie ihre Forschungsergebnisse und Arbeitsleistung umsonst an die Verlage gaben und alle Rechte daran abtraten. In Folge dessen hatte sich ein System etabliert, das

die Kosten allein auf die Seite der Öffentlichkeit und die Gewinne allein auf die Seite der Verlage [verteilte]. Mit dem rasanten Wachstum der Universitäten entstand aus diesem – nach Einschätzung der Deutschen Bank ‚bizarren‘ (Deutsche Bank 2005; Klein 2019) – Geschäftsmodell ein Oligopol einiger Verlage vor allem im Sektor der wissenschaftlichen Zeitschriften mit drastischen Preissteigerungen für die Bibliotheken und geringen Kosten für die Verlage. (Altschaffel et al., 2024, 23)

Da wissenschaftliche Literatur nicht-substituierbar ist und Wissenschaftler:innen sowohl auf bestimmte Literatur angewiesen sind als auch selbst bestimmen, wo sie ihre eigenen Arbeiten publizieren, müssen wissenschaftliche Einrichtungen genau diese Literatur, also bestimmte Zeitschriften, bereitstellen. Deshalb ist es also nicht sinnvoll, von einem Markt in wirtschaftlichem Sinne zu sprechen, denn Bibliotheken (Nachfrage) können nicht unter verschiedenen Zeitschriften (Angebot) wählen und dadurch marktregulierende Mechanismen wie Konkurrenz nutzen.34

Bibliotheken müssen bestimmte Zeitschriften anbieten, auch wenn deren Preise steigen. Die üblichen Vergabekriterien des öffentlichen Dienstes, die einen Preisvergleich verlangen und unverhältnismäßige Verdienste aus öffentlichen Geldern ausschließen sollen, werden dadurch umgangen. Wissenschaftliche Literatur hat ein Alleinstellungsmerkmal, so dass für sie die sogenannte Single-Source-Regelung gilt, die es erlaubt, das benötigte Produkt auch zu sehr schlechten Bedingungen zu beziehen.35 Im Gegensatz zu anderen Produkten, für die der Bedarf mit dem Erwerb gedeckt wäre, gilt für wissenschaftliche Zeitschriften, dass dieses Alleinstellungsmerkmal für jede benötigte Zeitschrift zutrifft. Damit waren und sind Bibliotheken in einer äußerst schlechten Verhandlungsposition gegenüber den Zeitschriftbesitzer:innen, den Großverlagen. Bibliotheken benötig(t)en das, was die Verlage zu immer schlechteren Subskriptions-Bedingungen anboten, unbedingt und stießen mit ihren Budgets an Grenzen.36

Das obige Modell der Pfadabhängigkeit anwendend, kann man sagen, dass durch den Status wissenschaftlicher Literatur bereits die „critical junction“ erreicht wurde, so dass für jede benötigte Zeitschrift eine Pfadabhängigkeit besteht. Das Problem wurde präsenter, als es für Bibliotheken nicht mehr möglich wurde, die benötigten, immer teurer werdenden Zeitschriften einzeln zu bestellen. Das geschah durch die Konzentration der Verlagslandschaft.37 Verlage brachten durch den Aufkauf konkurrierender Häuser die wichtigsten Zeitschriften in ihren Besitz. Aber so erwarben sie auch sehr viele weniger wichtige Titel, die sie auch vertreiben wollten. Am Beispiel der Profitentwicklung von Elsevier bzw. damals Reed-Elsevier und heute RELX, zwischen 1991 und 2013 zeigen Larivière et al. (2015, 10), wie die Konsolidierung der Publikationsindustrie die rasante Entwicklung der Gewinnmargen der großen Verlage bewirkte. Diese Entwicklung wurde nicht einmal durch die Wirtschaftskrise 2008 aufgehalten:

[B]etween 1991 and 1997, both the profits and the profit margin increased steadily for the company as a whole. While profits more than doubled over that period—from 665M USD to 1,451M USD—profit margin also rose from 17% to 26%. [After a stagnation in 2008-2009] profits reach[ed] an all-time high of more than 2 billion USD in 2012 and 2013. The profit margin of the company’s Scientific, Technical & Medical division is even higher […]. Moreover, its profits increased by a factor of almost 6 throughout the period, and never dropped below 30% from one year to another. The profit margin of this division never decreased below 30% during the period observed, and steadily increased from 30.6% to 38.9% between 2006 and 2013. (Ebd.)38

Diese Profitsteigerung lag auch daran, dass Verlage den Verkauf von einzelnen Zeitschriften durch den Verkauf von Paketen ersetzten. Es konnten nur noch ganze Bündel von Zeitschriften („Big Deals“) bezogen werden – eine Entwicklung, die mit der Digitalisierung des Zeitschriftenwesens einherging und den Verlagen zwei sehr positive Umstellungen ermöglichte. Die erste bestand aus der neuen Lösung, um weniger attraktive Titel dauerhaft an Bibliotheken zu verkaufen, nämlich durch teilweise nichtoptionale und intransparente Paketlösungen, die den Bezug einzelner Zeitschriften

teurer als der Bezug des Gesamtpakets [machten], wobei die Art und Weise, wie die Angebote dafür errechnet wurden, intransparent blieb, und die Verlage auch keine Vergleiche der Preise erlaubten, da Non Disclosure Agreements in den Verträgen dies verhinderten. Das gleiche Zeitschriftenpaket konnte also unterschiedlich viel kosten, je nachdem, wie viel Geld eine Einrichtung zur Verfügung hatte. (Holzer, 2022, 167)

Diese Änderungen, die wissenschaftliche Einrichtungen an ihre finanziellen Grenzen, aber Verlagen signifikante Mehrgewinne und Netzwerkeffekte brachten und keine Alternativen zu wissenschaftlichen Zeitschriften als Format zeigten, können als signifikantes Kennzeichen des Lock-In im Publizieren klassifiziert werden. Bezeichnend ist, dass diese Entwicklung so unausgewogen nachteilig für die Seite der Wissenschaft ausfiel wie sie vorteilhaft für die großen Verlage war und immer noch ist. Dazu Holzer (2022, 165): „Das Geschäftsmodell der Big Deals resultiert bis heute darin, dass die wissenschaftlichen Bibliotheken anschaffen müssen, was sie nicht benötigen, und aufgrund von Budgetbindungen dann nicht anschaffen können, was sie brauchen.“

Manfred Boni fasst die Situation zusammen:

Der Publikationsmarkt ist durch verfestigte, asymmetrische Strukturen gekennzeichnet, die aus ökonomischen und sozialen Gründen den großen Wissenschaftsverlagen eine nahezu monopolartige Stellung verschaffen. Ihrer Preis- und Technologieführerschaft folgen mehr oder weniger ungebrochen auch Universitätsverlage und Fachgesellschaften. Der Marktasymmetrie haben die Bibliotheken trotz Konsortialbildung keine wirksame Nachfragemacht entgegen stellen können. Klein- und mittelständische Verlage sind mit ihrem Programmangebot existentiell bedroht. (Boni, 2010, 38f.)

Die zweite Änderung bzw. Einsparung brachte die Ablösung vom Printgeschäft. Viele Schritte und Ausgaben auf verlegerischer Seite entfielen oder wurden ausgelagert, wie die Drucksetzung von Manuskripten oder bedarfsdeckendes Drucken und Versenden von Zeitschriften. Während Druckexemplare nur an ein Individuum verkauft werden können, kann eine Online-Zeitschrift auf der Website der Zeitschrift ohne Mehrkosten für den Verlag gleichzeitig von einer unbegrenzten Menge an Individuen und Institutionen aufgerufen werden. Damit sinken die Kosten für zusätzliche Abonnements für die Verlage gegen Null und ihre Gewinnmöglichkeiten steigen in dramatischer Weise:

In a system where the marginal cost of goods reaches 0, their cost becomes arbitrary and depends merely on how badly they are needed, as well as by the purchasing power of those who need them. In addition, costs are strongly influenced by the power relations between the buyer and seller, i.e. publishers and academic libraries. In such a system, any price is good for the seller, as the additional unit sold is pure profit. (Larivière et al., 2015, 12)

Einen Ausgang aus dieser Problematik sollte die Open-Access-Bewegung bieten. Mit den drei Erklärungen – Budapester 2002 (BOAI, 2000), Bethesda und Berliner Erklärung (2003) – wurde der Entschluss der Wissenschaftsgemeinschaft festgehalten, den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur rechtlich und finanziell zu reformieren. Gleichzeitig sollte wissenschaftliches Publizieren an die neuen digitalen Möglichkeiten der schnellen und günstigen Zugänglichkeit angepasst werden. Vor allem sollte dadurch die standardmäßige Abtretung von Rechten an die Verlage abgeschafft werden, die sich seit Robert Maxwell etabliert hatte. Wissenschaftler:innen sollten durch Open Access die Hoheit über Verwertungen ihrer eigenen Arbeit erlangen. Bibliotheken sollten unabhängig von den Gebühren der Verlage werden für die Bereitstellung der bereits öffentlich bezahlten Arbeit. Ich werde zunächst auf weitere problematische Entwicklungen des wissenschaftlichen Publizierens eingehen und dann auf einen Aspekt der Open-Access-Transformation zu sprechen kommen, den DEAL-Vertrag mit Elsevier.

2.2 Bibliometrisierung der Wissenschaft

Die Bibliometrie ist eine vergleichsweise junge Disziplin, für die neben Arbeiten aus dem Beginn den 20. Jahrhunderts z. B. von Alfred Lotka (1880-1948) und Samuel C. Bradford (1878-1948) vor allem Eugene Garfield (1925-2017) als Begründer steht.40 Garfields Arbeit an der Datenbank Science Citation Index (SCI), am von ihm gegründeten Institute for Scientific Information (ISI) in den 1950er Jahren in Philadelphia sowie die Bücher Little Science, Big Science von Derek de Solla Price (1963) und Gennady Dobrovs Nauka o Nauke (1966) zählen zu den bekanntesten Begründungswerken der Disziplin. Alan Pritchard schlägt 1969 in einem zweiseitigen Paper den Begriff „Bibliometrics“ (Pritchard, 1969) für die Anwendung mathematischer und statistischer Methoden auf Kommunikationsmedien vor. Zu den wissenschaftlichen Kommunikationsmedien gehören heute weitere Publikationsformen wie Forschungsdaten, Software, Code, Patente und multimediale Beiträge.41

Der von Garfield entwickelte SCI sollte die Bezüge zwischen einzelnen Forschungselementen (vor allem Zeitschriftenartikel) analysieren. Dazu wurden im SCI Artikel und die in ihnen referierten Arbeiten bibliographisch erfasst, um dann Verbindungen und Gewichtungen zwischen Autor:innen, Zeitschriften und später auch vielen anderen Faktoren herzustellen. Für die Wirkungsmessung wurde neben dem SCI der Journal Citation Reports (JCR) eingesetzt. Der SCI wurde, zusammen mit der später entstandenen Datenbank Social Sciences Citation Index (SSCI) und JCR zu Web of Science (WoS). Hierzu noch einige Entwicklungen: 1992 kaufte Thomson Reuters WoS, 2016 ging es für den Preis von 3,55 Mrd. US-Dollar zu den Privat-Equity-Eigentümern Onex und Baring Asia (SPARC, 2019, 26-29) und heißt seitdem Clarivate Analytics.42 Neben WoS ist Scopus43 ähnlich einflussreich, ein Product von Elsevier, seit 2024 KI-gestützt44 und mit eigenem Index CiteScore und Analysefunktionen ausgestattet. Gefolgt werden diese beiden einflussreichsten Anwendungen von Dimensions45 der Holtzbrinck Publishing Group46 (zu der auch Altmetric47 und ein Mehrheitsanteil an Springer Nature gehören) und Google Scholar sowie von der nicht-kommerziellen Organisation CrossRef48.

Vor allem WoS, Scopus und GoogleScholar dominieren seit Langem den Markt für Literaturrecherche und sind damit zentral für den Forschungszyklus. Das ist jedoch nicht mehr ihre Hauptfunktion. Was die quantitative Beschäftigung mit Zitationen und Publikationen so relevant für diverse Akteur:innen im Wissenschaftssektor macht und bibliometrische Anwendungen zunehmend in den Vordergrund rückt, sind die unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die aus der Analyse, berechtigt oder unberechtigt, gezogen werden. Solche Schlussfolgerungen betreffen unter anderem die Verbreitung und Relevanz von Publikationsorganen und die Rezeption durch und von Wissenschaftler:innen, die als Maßstab ihrer Qualität als Wissenschaftler:innen bzw. ihrer Leistungen dienen. Wie kommt das? Die Zitation der Publikationen einer Wissenschaftlerin steht für den Einfluss und die Wirkung ihrer Forschung und ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung in der Fachgemeinschaft. Zitation durch peers begründet Renommee und Aufmerksamkeit, die nicht-monetäre Währung der meritokratisch organisierten Wissenschaft. Wer viel zitiert wird, gilt als relevant und hat bessere Bedingungen für weitere wissenschaftliche Tätigkeit, z. B. bei der Stellen- und Fördermittelvergabe. Hier liegt der Grund für das Interesse an der Zitationsanalyse. Auch wenn es unterschiedliche Ansätze gibt, erfolgt die Evaluation meist nicht direkt, sondern vermittelt über Publikationsorgane. Deren Renommee wird stellvertretend auf die in diesen Publikationsorganen, vorwiegend Zeitschriften und Buchverlagen, publizierenden Wissenschaftler:innen übertragen: “In which journal a scientist publishes is considered one of the most crucial factors determining their career. The underlying common assumption is that only the best scientists manage to publish in a highly selective tier of the most prestigious journals.” (Brembs, 2018, 37)

Für die bibliometrische Analyse werden heute verschiedene Indikatoren verwendet, allen voran der ebenfalls am ISI ins Leben gerufene (Journal) Impact Factor (JIF oder IF). Ursprünglich diente der IF der bibliothekarischen Relevanzanalyse von Zeitschriften, um Erwerbs- und Bestandsüberlegungen zu stützen. Der IF wird aus der durchschnittlichen jährlichen Zitationshäufigkeit einer Zeitschrift in anderen Zeitschriften auf Grundlage der Daten der vergangenen zwei Jahre berechnet. Jedoch erfolgt die autoritative Berechnung des IF durch Clarivate, berücksichtigt nur die im WoS indexierten Zeitschriften und ist nicht transparent. Alle drei Faktoren sind jeweils hinreichend, um den IF als objektives Instrument der Qualitätsbeurteilung zu disqualifizieren. Trotz zahlreicher Kritiken49 ist der IF in vielen Disziplinen, insbesondere der Medizin und den Naturwissenschaften, häufig der zentrale Indikator für die Evaluation von Wissenschaftler:innen. Daneben gibt es noch weitere, mehr oder weniger verbreitete Indikatoren für Personen und Organisationseinheiten – einfache, wie den h-Index (Hirsch 2005)50, absolute Publikations- und Zitationszahlen und relationale wie den CPP (Zitationsraten im Vergleich zum internationalen Journal-Durchschnitt JCSm oder im Feldvergleich FCSm), den J-Factor (Zusammenhang zwischen Publikationstätigkeit von Institutionen, Zeitschriften und Einfluss), welche ungleich größere Datenmengen und komplexere Interpretationen und Gewichtungen erfordern, aber dafür auch aussagekräftigere Analysen ermöglichen.

Einige methodische, technische51 und systematische Kritikpunkte an der Eignung von Metriken als Evaluationsgrundlage wissenschaftlicher Qualität fasst Manfred Boni zusammen:

Technisch wie methodisch lassen sich Repräsentativität und Validität von Zitatanalysen anzweifeln. Denn trotz aller verfeinerten Methoden bleiben die Ergebnisse statistische Artefakte, die als Indikatoren von Exzellenz gewertet werden. Zeitschriftenpublikationen haben in den Ingenieur-, Sozial- und Geisteswissenschaften nicht dieselbe hohe Bedeutung wie in den Naturwissenschaften und der Medizin. Zeitschriften werden im Citation Index unterschiedlich breit und tief erfasst, was nicht nur für die verschiedenen Fachgebiete gilt, sondern als US-bias vor allem auch europäische Zeitschriften in Deutsch, Französisch oder Spanisch benachteiligt. […] Die im Web of Science grundsätzlich auf die Initialen verkürzten Namensansetzungen der Autoren und Ko-Autoren stellen Identifizierungsprobleme dar, ebensowenig sind die Institutionen eindeutig bestimmt, an denen die Autoren arbeiten oder zu früheren Zeitpunkten gearbeitet haben […]. Schließlich ist die Zitierpraxis selbst, wer wen und was aus welchen Gründen zitiert, ein sozialer Prozess, der einfache Interpretationen verbietet […]. (Boni, 2010, 305)

2.2.1 Bibliometrie und Ranking

Die Disziplin Bibliometrie ist multidimensional und arbeitet mit verschiedenen Methoden und Indikatoren, die verglichen und interpretiert werden. Diese Komplexität geht verloren, wenn eindimensionale und verkürzte Anwendungen bibliometrischer Methoden zur Grundlage für Entscheidungen im Wissenschaftsmanagement werden. Trotz Kritik – ob allgemein (bei Holzer, 2022; Münch, 2014b, 2015; Retzlaff, 2022) oder spezifisch (bei Mongeon & Paul-Hus, 2016; Herb, 2018; Straumsheim, 2016) – nimmt der Trend zur Bibliometrisierung der Wissenschaft zu. Das liegt unter anderem an der Suggestion, durch Metriken ein Mittel der Komplexitätsreduktion für zwei zentrale Probleme zu geben: Erstens ein einfaches und objektives Verfahren im Umgang mit exponentiell steigenden Publikationsmengen52 und zweitens eine Möglichkeit der Einordnung in ein globales Wettbewerbsgeschehen in der Wissenschaft. Nicht nur im kommerziellen Duktus der Datenanalyse, auch im bibliothekarischen Diskurs ist teilweise explizit von Bibliometrie als „neuem Geschäftsfeld“ (Ball & Tunger, 2006) für Bibliotheken53 die Rede, mindestens aber als von einer festen neuen Dienstleistung54. Damit ist die Bibliometrie für hochschulisches Government ein – nach innen gerichtetes – Instrument für Leistungsmessung, Qualitätsentwicklung, für das eigene Controlling und den Strategieprozess. Zugleich ist damit eine – nach außen gerichtete – Orientierung im universitären Wettbewerb geboten (Jansen et al., 2007; Janßen & Sondermann, 2016; May, 2014): „Eine strategische Orientierung dieser Art kann im Benchmark55 mit anderen Einrichtungen dabei unterstützen, das Engagement dieser anderen Einrichtungen zu analysieren und so die eigenen Aktivitäten im Wettbewerb entsprechend auszurichten und diesen gegebenenfalls Ressourcen bereitzustellen.“ (Fühles-Ubach & Tunger, 2021, 3)

Die Kehrseite dieses Instruments ist die Tendenz zu einer metrisierten Wissenschaft, an der es bereits einige Kritik gibt (Brembs et al., 2013; Chan, 2019; Janßen & Sondermann, 2016; Chen & Chan, 2021; Holzer, 2022; Torny, 2020). Obwohl auch zentrale Förderer zunehmend zu einem ‚verantwortungsvollen‘ Einsatz von Metriken anhalten56, hat diese Tendenz eine selbst-reproduzierende Wirkung, die zum mehr oder weniger systematischen Nachteil der Wissenschaft wird. Holzer bezeichnet es als einen „wesentliche[n] Fehlanreiz“, wenn wissenschaftsinterne

Gratifikationssysteme (Mittelverteilung, Karrierefortschritt, Förderung) nicht mehr in erster Linie auf den Inhalten, Ergebnissen und Aktivitäten von einzelnen Wissenschaftlern aufbauen, sondern vermeintlich objektivere, externalisierte Metriken und/oder das symbolische Kapital von renommierten Publikationsorten als ausschließliches Mittel nutzen, um – verkürzend – Entscheidungen über die Qualität und den Wert der publizierten Ergebnisse zu treffen. (Holzer, 2022, 178)

Boni beschreibt, welche Attraktivität von der Idee metrisierbarer Wissenschaft ausgeht, die in einer unübersichtlichen und extrem komplexen Wissenschaftswelt für das Wissenschaftsmanagement Klarheit, Struktur und Messbarkeit suggeriert. Gleichzeitig entwickeln sich daraus selbstverstärkende Mechanismen, die wissenschaftsinterne Prozesse dominieren:

[M]it standardisierten bibliometrischen Indikatoren lassen sich Personen, Fächer und Institute leicht vergleichen. […] Mit ihnen wird die Forschungsleistung einzelner Lehrstühle, Institute, Fachbereiche und ganzer Universitäten kommensurabel. Sie stellen für die Hochschulverwaltungen und die Wissenschaftsadministration einen einfachen Indikator dar, an dem sich Ressourcenentscheidungen technokratisch orientieren können. Ein Kreislauf beginnt, in dem aus der Akkumulation symbolischen Kapitals durch Zitate die sozialen und ökonomischen Kapitals folgt. Eine selbst-verstärkende Wirkung führt nach der Veröffentlichung in A-Journals zu verbesserter Finanzausstattung dank zusätzlicher staatlicher Mittelzuweisungen, erhöhter Drittmittelförderung […] und zusätzlicher Finanzmittel nicht-staatlicher Stellen. Der Zugang zu den A-Journals stellt also einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar. Die Chancen weiterer Veröffentlichungen in A-Journals steigen […] Renommee reproduziert sich wechselseitig. (Boni, 2010, 305f.)

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Metrisierung und Ranking(s), bzw. was ist letzteres? Unter ‚Ranking‘ (vom englischen ‘to rank’ für ‚einstufen‘ oder ‚einordnen‘) wird der kompetitive Vergleich mit dem Zweck einer Rangordnung zwischen Einrichtungen, typischerweise Universitäten, verstanden. Besonders einflussreich für die Attraktivität von Universitäten und damit für die Zahl der Studierenden sind bestimmte etablierte Anbieter von Rankings wie Times Higher Education University Rankings (THE)57 oder QS World University Rankings (QS)58 oder Academic Ranking of World Universities, bekannt als Shanghai-Ranking59. Systematisch betrachtet, ist der Fokus auf ein gutes Abschneiden der eigenen Einrichtung in einem der relevanten Rankings die Fortführung der bereits durch Metrisierung skizzierten Problematiken auf höherer Ebene. Diese Probleme betreffen zum Teil die Inhalte (Zeitschriften in WoS oder Scopus) und die Messinstrumente (InCites, JCR; Plummetrics, SciVal, PURE) der involvierten Konzerne wie Clarivate und Elsevier/RELX und das konkrete Ranking als Ergebnis. Trotzdem sehen sich Universitäten gezwungen, sich dem Ranking-System anzupassen, so Chen und Chan (2021).60 Sie machen darauf aufmerksam, dass das Wettrennen um eine gute Platzierung in den Rankings die wissenschaftlichen Einrichtungen nicht nur vergessen lässt, dass sie in eine neue Pfadabhängigkeit von denjenigen geraten, die die Algorithmen produzieren. Zudem rücken wissenschaftliche Standards weg von inhaltlichen Kriterien und hin zu einem metrisierten System, in welchem wissenschaftliche Einrichtungen weder Kontrolle haben noch eine gute Wissenschaft produzieren:

Rankings are thus a driver for the adoption of particular metrics-emphasizing modalities of research as well as the particular products which facilitate such modalities. Yet the adoption of such modalities represents a ceding of control by universities not only to rankings – which are often the drivers of their decision-making – but also to the algorithms which power the analytics products. As a result, it is argued that the university shifts away from an intrinsic valuation of research and teaching and is increasingly compelled to pay into the rankings-data analytics system. Ultimately, the relationship between data analytics firms and rankings is mutually reinforcing, as well as arguably increasingly harmful to the public missions of the university. (Chen & Chan, 2021, 18f. Herv. YF)

University rankings, journal rankings and lists of highly cited researchers are created using metrics. […] The trust in citations and citation-based metrics entails that the legitimacy of knowledge is held in the hands of commercial indexes largely consisting of English language journals in Western countries, with a strong focus on STEM. At the same time, metrics are also embedded in search algorithms of Google Scholar and other indexing services, which perpetuates the importance of citations and citation-based metrics. (Ma, 2023b, 7)

Wie beim IF ist auch hier offensichtlich, dass Interessenkonflikte gegen die Objektivität der Ergebnisse solcher Rankings sprechen. Trotzdem haben Clarivate und Elsevier aufgrund ihrer dominanten Position in Bezug auf die Mittel der Produktion datenanalytischer Evaluationen einen Vorteil. Man kommt nicht an ihnen vorbei. Universitäten nehmen die Nachteile für die Wissenschaft in Kauf, weil Rankings zu einem Wettbewerb geworden sind, aus dem sie es sich nicht erlauben können auszusteigen:

University rankings, journal impact factors, performance-based funding for universities – these have all affected the culture of academic institutions for years and have progressively led to an erosion of control by academic institutions over their own destiny. Data analytics services have a market and are in demand – in spite of all the issues they pose – because academic life has become a race to secure funding. As a result, research assessment is becoming a business opportunity, and one that commercial vendors appear eager to control, regardless of their possible conflicts of interest. (SPARC, 2020, 29)

The Shanghai ranking has played a crucial role in the construction of universities as entrepreneurial actors […] and in the de-powering of the scientific and academic communities, the disciplinary and professional associations and, ultimately, the researchers themselves. (Münch, 2014a, 35)

Die Bibliometrisierung der Wissenschaftsevaluation bedient das Bedürfnis nach Komplexitätsreduktion und Übersichtlichkeit von rasant steigenden Publikationsmengen (Hanson et al., 2023) sowie nach Vergleichbarkeit und klaren Kriterien für die Behauptung der Institutionen gegenüber globaler Konkurrenz. Lai Ma (2023b) nennt Wissenschaftsevaluation “the choke point” in der Diskrepanz zwischen wissenschaftlichem Qualitätsprinzipien und der aktuellen Abhängigkeit der Belohnungsstruktur von offenkundig ungeeigneten Indikatoren wie “Journal impact factor (JIF), CiteScore, h-index, field-weighted citation impact (FWCI), and source-normalised impact per paper (SNIP)”, auf deren Grundlage einerseits 40 Rankings und nationale Forschungsevaluationen erhoben und andererseits Schließungen vorn Fachbereichen und Instituten entschieden werden (Ma, 2023b, 6). Diese Verflechtungen verstärkten die „Krisen der Digitalisierung“ (Holzer, 2022, 176), die dazu führen, dass Wissenschaftler:innen gedrängt sind, sich an Indikatoren (wie den Impact Factor oder Zeitschriftenrankings) zu orientieren, „welche nicht zu diesem Zweck geschaffen worden, aber zu einer Währung im Karrieresystem der Wissenschaft geworden sind.“ (Holzer, 2022, 176)

Diesen mentalen Lock-In, unter dem vor allem junge Wissenschaftler:innen leiden, die sich für eine Zukunft in der Wissenschaft diesem System fügen müssen, und das sich erfolgreich selbst reproduziert, bringen Larivière, Haustein und Mongeon auf den Punkt:

Unfortunately, researchers are still dependent on one essentially symbolic function of publishers, which is to allocate academic capital, thereby explaining why the scientific community is so dependent on ‘The Most Profitable Obsolete Technology in History’ […]. Young researchers need to publish in prestigious journals to gain tenure, while older researchers need to do the same in order to keep their grants, and, in this environment, publishing in a high impact Elsevier or Springer journal is what ‘counts’. In this general context, the negative effect of various bibliometric indicators in the evaluation of individual researchers cannot be understated. (Larivière et al., 2015, 13 Herv. YF)

2.3 Transformationsprozess der Verlage: Transformationsverträge und Plattformisierung

Die Open-Access-Transformation ist ein dominierendes Thema im wissenschaftlichen Publikationsfeld, das hier in seiner Komplexität und Ambivalenz nicht beurteilt werden kann. Ich werde lediglich einige Aspekte der Transformation thematisieren, und zwar den Abschluss des dritten bundesweiten Transformationsvertrags (DEAL-Vertrag) im September 2023 (bis Ende 2028) mit Elsevier. Wie auch die ersten beiden Verträge mit Wiley (erster Vertrag 2019-2023, Verlängerung 2024-2028) und Springer Nature (erster Vertrag 2020-2023, Verlängerung 2024-2028) wurde auch der Elsevier-Vertrag durch das DEAL-Konsortium61 geschlossen, einer Gruppe aus Vorständen der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen unter Geschäftsführung der MPDL Services GmbH62.

Die DEAL-Verträge regeln die Publikationsmöglichkeiten von Wissenschaftler:innen an deutschen Forschungsinstitutionen, so dass sie in den meisten Zeitschriften der drei Konzerne unter einer offenen Lizenz (CC BY als präferiertes Modell) publizieren können. Die Bibliotheken übernehmen die Gebühren und die Abwicklung. Für alle drei Verträge wurden zudem Archivrechte und der lesende Zugang zu hybriden Zeitschriften vereinbart. Da Deutschland nicht Teil der cOAlition S63 ist, einer Initiative unterschiedlicher nationaler Fördererorganisationen, der Europäischen Kommission und des European Research Council (ERC) zur vollständigen Umstellung auf Open Access ab Beginn des Jahres 2021, dem Plans S, sind die DEAL-Verträge der größte nationale Schritt zur Umstellung auf Open Access.

Um den Faden der obigen Diskussion der Veränderung im Publikationswesen aufzugreifen bzw. die Frage, warum sich die problematische Konstellation durch wissenschaftsorganisierte Initiativen und die digitalen Distribuierungsmöglichkeiten nicht verbesserte: Laut Hanekop und Wittke (2014) gibt es mehrere Gründe dafür, dass die etablierten Journals ihre dominante Position behalten konnten, obwohl wissenschaftsgeleitete Strukturen Zeitschriften in anderen Funktionen hätten ersetzen können. Das ist zum einen die Qualitätssicherung, welche zwar Wissenschaftler:innen unentgeltlich leiste(te)n, aber die Zeitschriften organisier(t)en. Zum anderen ist es die Verteilung der Reputation durch eine Hierarchisierung von Zeitschriften. Als dann große Forschungsförderer mit Grün- und Gold-Modellen64 und institutionellen Datenbanken in die Transformation zu Open Access einstiegen, war dies durchaus durch den Wunsch geprägt, die Lock-in-Situation im Publikationsbereich aufzubrechen. Doch auch die Großverlage haben, nach anfänglicher Verweigerungshaltung einen Anpassungswandel an die Open-Assess-Transformation gemacht, wodurch sie sogar Vorteile gewannen. Noch vor der Einführung der Transformationsverträge (TV bzw. TA für “transformative agreement”) beobachten Hanekop und Wittke, dass statt der erhofften Strukturreform durch Digitalisierungsprozesse eher eine Fortsetzung derselben Machtgefüge durch potentere Mittel erfolgt. Es hätte zwar eine „sektorale“ Transformation im zeitschriftenbasierten wissenschaftlichen Kommunikationssystem gegeben, aber „aufgrund der besonderen Adaptionsfähigkeit der Akteure werden dabei jedoch grundlegende Strukturmerkmale reproduziert“ (Hanekop & Wittke, 2014, 170). Durch die „graduelle“ Transformation erfolgte nur eine „schrittweise Veränderung der institutionellen Ausgangskonfiguration” (ebd.), bei welcher die jeweils für Verlage vorteilhafteste Konstellation zum Ausgangspunkt für die nächsten Schritte gewählt wird.

Zwar existieren unterschiedliche Publikationsformate nebeneinander, durchaus auch eine OA-community, die scholar-led publishing zum Beispiel in den Digital Humanities vorantreibt und sich von Abhängigkeiten von rein quantitativen Indikatoren abgewendet hat. Der seit 2022 von der DFG geförderte Action Plan for Diamond Open Access 65, der Beschluss des EU-Rats66 sowie Initiativen wie die Nationale Forschungsdaten-Infrastruktur NFDI67, die dauerhaft von der DFG gefördert werden soll, bewegen sich in diese Richtung. Ihre Reichweite kann aber erst in einigen Jahren beurteilt werden. Im Vergleich zu den durch Forschungseinrichtungen finanzierten Publikationsformen (Transformationsverträge und AP⁠Cs) waren dies zumindest in den letzten Jahren eher geringfügige Größen. Zumindest in Bezug auf große Verlage kann keineswegs von einer freiwilligen oder marktgetriebenen Transformation68 gesprochen werden, was auch durch die Kritik der cOAlition S an der Umsetzung der Transformation bis einschließlich 2023 deutlich wurde69.

Seit einigen Jahren sind Transformationsverträge mit größeren Verlagen und den großen Konzernen (Übersicht in der ESAC-Initiative70 und speziell die Registry aktueller und vergangener Verträge71) mit Verlagsfunktion ein Standardmodell der Open-Access-Transformation an Universitäten und Forschungseinrichtungen. Unter TV werden meist Konstellationen verstanden, bei denen das Subskriptionsmodell (als Read-Komponente, R) mit einem Publikationsmodell (als Publish-Komponente, P) verbunden werden, wobei eine der Komponenten als dominierend betrachtet wird: R&P mit einem finanziellen Hauptanteil im Lesen oder, umgekehrt, P&R mit einem Hauptanteil im Publizieren. Praktisch ist der Unterschied nicht ausschlaggebend. Die Verträge unterscheiden sich stark in ihren konkreten Ausprägungen und müssen nach einer ganzen Reihe von Kriterien verglichen und beurteilt werden. Nominelles Ziel der Transformationsverträge ist eine zeitlich begrenzte besondere Unterstützung der Verlage dabei, sich vom Subskriptionsmodell auf ein komplettes Publikationsmodell umzustellen. Bei diesem Zielzustand wird nur noch die Publikation als Leistung einmalig bezahlt (Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen et al., 2022; Schimmer et al., 2015).

TV sind ein Folgeschritt nach einem Hybrid-Modell, das als „double-dipping“ kritisiert wurde. Dabei haben Bibliotheken weiterhin Zeitschriften über Subskriptionen finanziert, aber für die Publikationen von Artikeln in Open Access haben dieselben Zeitrschriften zusätzliche Gebühren erhoben. Das sind die sogenannten APCs (Article Processing Charges, manchmal auch Article Publication Charges), die zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Euro betragen. TV werden für eine bestimmte Laufzeit geschlossen und halten fest, für welchen Preis (Grundpreis und Zusatz-APCs) die corresponding authors der teilnehmenden Einrichtung in welchen Hybrid- oder Open-Access-Zeitschriften (hier gibt es meistens einen geringfügigen Rabatt auf die APCs) des Anbieters im Gold-Open-Access publizieren können. Der lesende Zugang ist – meist als Zugang zur Plattform des Verlags – enthalten. Besonders prestigereiche Titel sind meist von dem Vertrag ausgenommen, für sie müssen volle und häufig besonders hohe APCs bezahlt werden. Eine Konsequenz dieser Konstellation ist eine signifikante finanzielle Mehrbelastung publikationsstarker Einrichtungen.

Eine Analyse aus dem Research Consulting hält 2017 auf Basis von 20 Studien fest, dass europäische “policy interventions” bei Weitem nicht ausreichten, um Open Access für 2020 zu ermöglichen oder die Wettbewerbsbedingungen im Publizieren zu verbessern (Johnson et al., 2017, 7). Verlage seien nicht motiviert, ihre Zeitschriften auf Open Access zu ‚flippen‘ und obwohl „policy makers“ (ebd.) die aktuellen Probleme durchaus adressieren wollten, gebe es keine Einigung auf konkrete Maßnahmen. Unterschiedliche Disziplinen und Länder ließen keine einheitlichen Lösungen zu und bräuchten angepasste Programme. Die Autor:innen konstatieren eine Spannung zwischen kurzfristigen Erfolgen im Zugang und langfristigen Änderungen in der Marktstruktur (Johnson et al., 2017, 8). Europäische Ansätze würden ohne eine koordinierte globale Initiative keine signifikante Reform der Subskriptionsmechanismen bewirkten, dazu sei das aktuelle Konzept zu lukrativ und etabliert (ebd., 6). Die Abhängigkeiten für Bibliotheken seien durch die OA-Transformation zu den Bedingungen der Großverlage nicht verringert, sondern vielleicht sogar gewachsen: “Rather than transforming the market, TAs shift some portion of subscription investment to funding OA without altering the overall business structure.” (Farley et al., 2021, 298) Zu ernüchternden Urteilen über die reformierende Kraft der Transformationsverträge kommen auch andere72, insbesondere mit Blick auf die Fortsetzung des Bündelungscharakters der Verträge:

The dominant business models for OA are volume based and reward scale, driving the biggest companies to get bigger, and smaller organizations to seek the shelter of a larger partner. Publication volume is the essential measurement of success in an author pays OA market. Transformative agreements (aka, the ‘Bigger Big Deal’) have become the preferred purchasing model for journals, again favoring scale, because the resource intensiveness required to negotiate and administer such deals leads to the benefits accruing to large publishers with large numbers of journals for researchers and scholars to publish in. […] As the biggest publishers continue their rapid pace of merging, acquiring new partners, launching new journals, and growing their existing journals, it’s unlikely this trend will slow any time soon. (Crotty, 2023)

Weitere Kritikpunkte kommen von SPARC (2021a, 30f.), u. a.: Da alle Transformationsverträge auf APCs basieren, befördern sie weiter die finanzielle Benachteiligung anderer Formate, die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie weniger finanzstarker Einrichtungen. Weiter heißt es, die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bibliotheken ihre Ausgaben weiter vergrößern müssen, weil die meisten Verlage versuchen werden, ihre aktuellen Profite auch über die Etablierung von Open Access hinaus auf dem gleichen Niveau zu halten. Die Ausgaben für TV würden die Ressourcen binden, die für alternative Anbieter, wissenschaftsgeleitete Infrastrukturen oder Innovationen genutzt werden könnten. Zudem begünstige die TV-Struktur eine weitere Konzentration der Verlage bzw. Konzerne, da sie mehr Ressourcen für Verhandlungen hätten und mehr zusätzliche Services anbieten könnten als kleinere Häuser, die sich tatsächlich auf die verlegerischen Aufgaben konzentrierten. Die bisherigen Ungleichheiten im Zugang zu wissenschaftlicher Literatur würden durch Ungleichheiten in der Publikationsmöglichkeit für Personen und Institutionen mit weniger Finanzen ersetzt sowie für den globalen Süden. Die dazu angedachten „waivers“, die Wissenschaftler:innen die Möglichkeit zu publizieren durch spezielle Rabatte oder Erlasse der Gebühren geben sollen, seien diskriminierend “both because they formalize different categories of authors and also because their actual operations are inconsistent, something which is recognized even within STM” (SPARC, 2021a, 31). Neben der begründeten Befürchtung, dass TV nicht den erwarteten Effekt haben werden, das Publizieren zu transformieren, sondern weiterhin das hybride Modell fortsetzen, ist ein weiterer Punkt besonders spannend. Die Gefahr, dass Unternehmen wie Elsevier, deren Geschäftsmodell sich zur Datenanalyse gewandelt hat, “may be handed vast amounts of additional data on grants (and on grants spending patterns), further contributing to consolidation of the data analytics sector into a small number of competitors with excessive market power.” (SPARC, 2021a, 31) An dieser Stelle wird die Diskussion im nächsten Kapitel aufgenommen.

2.3.1 Geschäftsfeld wissenschaftliches Publizieren und Bibliotheken

Ein wichtiger Aspekt der Problematik ist die Plattformisierung der Verlagsangebote. Neben und zusammen mit dem Umstieg auf Paketlösungen war die Plattformisierung ein zentraler Schritt in der Kommodifizierung der Wissenschaft und der Involvierung der Bibliotheken in das Geschäftsfeld der Verlage. Hanekop und Wittke skizzieren, wie sich die Anpassung der Verlage an die Open-Access-Bewegung ab der Jahrtausendwende im Zusammenspiel mit der finanziellen und strukturellen Anpassung der Bibliotheken an die neuen Lizenz-Modelle gestaltete. Verlage setzten dabei auf die Einrichtung von Datenbanken (Scopus), und Web-Portalen (ScienceDirect, SpringerLnk) mit Recherchefunktion und Volltextzugriff, die aber im Gegensatz zu wissenschaftlichen OA-Initiativen (wie ArXiv) kostenpflichtig an Bibliotheken lizenziert wurden (Hanekop & Wittke, 2014, 12). Dabei konnten die gleichen Teuerungsmechanismen für neue Online-Paketmodelle eingesetzt und um neue „avanciertere Methoden der Bibliometrie“ (ebd., 15) erweitert werden, die das System mit stabilisierenden Nachweisen eigener Relevanz versorgten. Die Preisentwicklung Elseviers und anderer Großverlage war seit den 1990er Jahren rasant, was bereits die universitären Budgets auszureizen begann:

In 1998, Elsevier rolled out its plan for the internet age, which would come to be called ‘The Big Deal’. It offered electronic access to bundles of hundreds of journals at a time: a university would pay a set fee each year– according to a report based on freedom of information requests, Cornell University’s 2009 tab was just short of $2m– and any student or professor could download any journal they wanted through Elsevier’s website. Universities signed up en masse. (Buranyi, 2017)

Hier habe den Verlagen eine institutionelle Eigenschaft des wissenschaftlichen Publikationssystems in die Hände gespielt, so Hanekop und Wittke (2014, 15): Zum einen konnte diese Umstellung des Erlösmodells, das für Verlage deutlich vorteilhafter war, eingeführt werden, weil der Wert der Publikationen relativ mediumunabhängig ist und an den erwarteten Leistungen der Zeitschriften hängt, nicht an der Printform. Zum anderen sehen die Autor:innen die Rollenverteilung des Subskriptionsmodells als relevant, denn Verlage hätten für die Wissenschaft unvorteilhafte Lizenzen nicht an die Wissenschaftler:innen verkaufen müssen, die so unattraktive Optionen womöglich abgelehnt hätten und ihre Literaturbeschaffung anders zu organisieren suchen würden:

Bibliotheken subskribieren die Journale auch dann, wenn die dort erschienen Aufsätze auch über Self-Archiving Archive zugänglich sind. Die Erlösströme der Verlage sind in dieser besonderen Konstellation auch dann institutionell abgesichert, wenn der Zugang zu den Aufsätzen über Open Access Archive möglich ist. (Hanekop & Wittke, 2014, 15)

Die institutionelle Unflexibilität hat demnach ihren Anteil daran, dass ein immer teurer werdendes Subskriptionsmodell auch dann fortbestehen konnte, als die Digitalisierung der Wissenschaftspraxis durch wissenschaftlich verwaltete digitale Plattformen und die Open-Access-Bewegung sie technisch überflüssig machte. Wie oben diskutiert, ist das Argument der Verlage für ihre Notwendigkeit die Qualitätssicherung, die sie durch verschiedene Indikatoren herausstellen. Diese Funktion ist – im Gegensatz zu Journal-Paketlösungen – sehr wichtig sowohl für Wissenschaftler:innen als auch für Institutionen, was wieder zum Problem der Wissenschaftsevaluation und der „Vermessbarkeit der Wissenschaft“ (Holzer, 2022) führt.

Was eindeutig gemessen werden kann, ist die extreme Profitabilität des wissenschaftlichen Publikationssektors. Buranyi (2017) führt vor, welche erstaunlichen Gewinne die Konzerne erzielen:

With total global revenues of more than £19bn, it weighs in somewhere between the recording and the film industries in size, but it is far more profitable. In 2010, Elsevier’s scientific publishing arm reported profits of £724m on just over £2bn in revenue. It was a 36% margin – higher than Apple, Google, or Amazon posted that year. (Buranyi, 2017)

Holzer hält 2022 fest, dass der Umsatz der globalen Wissenschaftsverlage inzwischen über 26 Mrd. US-Dollar beträgt (Holzer, 2022, 167).

Durch die Plattformisierung gelangen die Konzerne neben der Publikationstätigkeit an einen weiteren Weg der Profitgenerierung, nämlich den direkten Kontakt zu den Endkunden ihrer Angebote, den Wissenschaftler:innen, Studierenden und anderen Nutzer:innen der Plattform. Während im Printmodell die Bibliotheken als Kontakt zwischen dem Verlag und Leser:innen dienten und für die Anonymität und Sicherheit ihrer Nutzer:innen sorgten, verändert das Plattformmodell diese Konstellation. Die Bibliothek ist die technische Verbindungsstelle, die Nutzer:innen authentifiziert und ihre Verantwortung endet dabei, die Nutzer:innen auf die Plattform zu leiten. Die Problematik dieser Konstellation für den Datenschutz und das Verhältnis zwischen Bibliotheken und ihren Nutzer:innen wird erst seit einiger Zeit thematisiert (Ma, 2023b). In diesem Zusammenhang ist die Verbindung der Kommodifizierung der Wissenschaft und den kommerziellen Überwachungstechniken im „Überwachungskapitalismus“ (Zuboff, 2019) und “surveillance publishing” (Pooley, 2022) relevant (die in den folgenden Kapiteln diskutiert werden):

The platformisation of scholarly information should be of utmost concerns for research libraries for two main reasons: firstly, the ethical principles concerning information access, as well as privacy and confidentiality of librarians and information professionals […] are breached; secondly, the open access movement can be sabotaged when commercial platforms take control of what and how scholarly information is organised, disseminated and accessed. (Ma, 2023b, 3)

An dieser Stelle folgt in Anschluss an die Diskussion der digitalen Souveränität oben eine kurze Einschätzung der Grade digitaler Souveränität in Bezug auf die Kriterien: Daten, Verteilung und Föderierung, Schnittstellen, Soft- und Hardware für den Betrieb der technischen Plattform, technische Kontrolle, Kompetenzen (i.S.v. Verständnis der Technik) und Jurisdiktion (Fokusgruppe, 2019,,16).

Tabelle 2: Kriterien digitaler Souveränität in Bezug auf Plattformen.
Grad digitaler Souveränität/Kategorien digitaler Souveränitätniedrige Ausprägung
(= hohe Abhängigkeit)
mittlere Ausprägunghohe Ausprägung
(= keine Abhängigkeit)
DatenDer Plattformbetreiber entscheidet, welche Daten er wem zur Verfügung stellt und wie er diese selbst nutzt.Nutzer/Anwender haben vollständige Kontrolle darüber, wer Zugriff auf Daten hat und können diese jederzeit löschen.Daten können unabhängig von der technischen Plattform vom Anwender gelesen, geändert und gelöscht werden. Anwender kann den Speicherort frei wählen.
Verteilung und FöderierungPlattform kann nur von einem wirtschaftlichen Betreiber betrieben werden.Unter bestimmten Bedingungen können Instanzen der Plattform unter eigener Kontrolle betrieben werden.Instanzen der Plattform können unabhängig von der Einwilligung einer zentralen Organisation betrieben werden.
SchnittstellenKeine oder nur proprietäre Schnittstellen verfügbar.Unterstützung einer hohen Anzahl offener Standards und Schnittstellen.Zugriff auf alle Daten und Funktionen über offene, frei nutzbare Schnittstellen mit quelloffener Funktionsimplementierung.
Software für den Betrieb der technischen PlattformSoftware ist weder im Quellcode noch binär verfügbar, sie steht ausschließlich dem Plattformbetreiber zur Verfügung.Software kann unabhängig vom Plattformbetreiber unter eigener Kontrolle oder bei einem anderen Betreiber ausgeführt werden.Quellcode der Software ist unabhängig vom Plattformbetreiber veränderbar/verändert nutzbar.
Hardware/Technische PlattformWirtschaftlicher Betreiber muss technische Lösung außerhalb der EU zukaufen.Bestehende Non-EU-Lösungen können durch EU-Entwicklungen ergänzt werden.Alle technischen Komponenten können in der EU entwickelt und vorgehalten werden.
Technische KontrolleDie Plattform ist nur bei einem einzigen Anbieter verfügbar, es gibt keine Kontroll- oder Migrationsmöglichkeiten.Nutzer/Anwender kontrollieren wichtige Teile und können diese migrieren; der Aufbau einer selbst betriebenen Lösung ist möglich.Nutzer/Anwender haben Kontrolle über alle Komponenten (Quellcode, Hardware, …).
KompetenzenKaum Verständnis für Prinzip, Voraussetzungen und zugrunde liegende Technik vorhanden; Fokus liegt auf Anwendungen.Verständnis über Prinzip, Voraussetzungen und Technik ist prinzipiell vorhanden; insb. Kompetenz zur Bewertung existierender Player.Kompetenzen für Verständnis, Prinzipien, Voraussetzungen, technologische Zusammenhänge; Beurteilung der existierenden Player vorhanden und gesichert.
JurisdiktionPlattform untersteht Nicht-EU-Recht.Plattform untersteht Nicht-EU-Recht, aber es bestehen verlässliche Verträge, welche die Einhaltung europäischer Standards sicherstellen.Plattform befindet sich in Deutschland bzw. in der EU und untersteht ausschließlich dieser Jurisdiktion.

Tabelle 3 hält fest, wie die digitale Souveränität deutscher Einrichtungen im DEAL-Elsevier einzuschätzen wäre. Bei allen zentralen Kategorien wissenschaftlicher Plattformen liegt die Kontrolle der Plattform bei Elsevier.

Tabelle 3: Ausprägung digitaler Souveränität in Bezug auf wissenschaftliche Plattformen.
Grad/ Kategorien digitaler SouveränitätNiedrige Ausprägung Mittlere Ausprägung Hohe Ausprägung
Daten ▪
Verteilung und Föderierung ▪
Schnittstellen(unklar)(unklar)(unklar)
Software für den Betrieb der technischen Plattform▪
Hardware/ Technische Plattform▪
Technische Kontrolle▪
Kompetenzen▪
JurisdiktionEU-RechtEU-Recht

Anmerkungen

  1. 30Vgl. Xiong et al. (2018) für eine kurze Darstellung der anderen Verwendungen.
  2. 31Siehe hier auch Zuboff (2019).
  3. 32Vgl. dazu Aspesi (2022); SPARC (2019); “Market forces alone are not sufficient to deliver widespread access to scientific information. There are clear indications that the subscription market is not functioning effectively, due to nonsubstitutability, excessive concentration, lack of transparency and perverse incentives.” Johnson et al. (2017, 5)
  4. 33Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte der modernen Wissenschaftskommunikation s. Price (1963); Biagioli (2002).
  5. 34“Competition in the scholarly publishing market depends on two primary variables: barriers to entry and market concentration. Barriers to market entry do not arise from financial or legislative constraints, but from cultural inertia. Top-tier academic journals are non-substitutable goods for both authors and readers, and operate as mini-monopolies within a discipline or field. Career incentive structures that reward publishing in established journals with a high ‘impact factor’ reinforce the dominant position of large publishers. A cultural bias against open access publications in certain disciplinary and national contexts stifles growth among smaller OA publishers. Competition is further hindered by excessive market concentration, and a lack of transparency due to widespread use of non-disclosure clauses. While scholarly publishing is a global market with over 5,000 journal publishers, five commercial publishers accounted for more than 50% of all articles published in 2013.” (Johnson et al., 2017, 4)
  6. 35“The possibility to increase profits in such an extreme fashion lies in the peculiarity of the economics of scholarly publishing. Unlike usual suppliers, authors provide their goods without financial compensation and consumers (i.e. readers) are isolated from the purchase. Because purchase and use are not directly linked, price fluctuations do not influence demand. Academic libraries, contributing 68% to 75% of journal publishing revenues [31], are atypical buyers because their purchases are mainly controlled by budgets. Regardless of their information needs, they have to manage with less as prices increase. Due to the publisher’s oligopoly, libraries are more or less helpless, for in scholarly publishing each product represents a unique value and cannot be replaced [...].” (Larivière et al., 2015, 10-12)
  7. 36“Individual research institutions are often non-specialised, meaning that they have to cater for the need of researchers operating in various disciplines – each having their own must-have journals. RPOs also have very different priorities and financial availability, meaning that it is often difficult to negotiate subscription deals collectively at the national level. Similarly, countries rarely coordinate negotiations with publishers at international level. Large publishers are global companies, and for them even a research-intensive country the size of the UK or Germany is only part of a much larger commercial market. Protecting the integrity and profitability of that market is the publishers’ legitimate aim, and driving a hard bargain with them is a tall order for dispersed buyers.” (Johnson et al., 2017, 31)
  8. 37“The majority of academic journals are published by commercial publishers. Over the decades, some (not all) publishers have increased subscription fees and/or APCs at rates much higher than inflation, and some track and spy on research activities [...]. The Big Deals publishers, Elsevier, Springer Nature, Wiley, Taylor & Francis and American Chemistry Society (ACS), each publishes over 2000 journals [...] and together they occupy over 50% of the market share (Morais et al., 2019; Stoy et al., 2019). Together, their subscription costs exceed 75% of total expenditures on journal publications in Europe, with the median price per article range from €1,344 to €2,658 [...]. In 2021, the Association of Scientific, Technical and Medical Publishers reported that the estimated growth of new scholarly journals is 2–3% annually and the global market is expected to reach the value of $28 billion by 2023 [...].” (Ma, 2023b, 4)
  9. 38Siehe auch “Overall, the market has significantly consolidated since 2000 — when the top 5 publishers held 39% of the market of articles to 2022 where they control 61% of it. Looking at larger sets of publishers makes the consolidation even more extreme, as the top 10 largest publishers went from 47% of the market in 2000 to 75% in 2023, and the top 20 largest publishers from 54% to controlling 83% of the corpus. [...] These data show two main waves of market consolidation. The first wave aligns with the rise of The Big Deal journal subscription package model, roughly 2000 to 2006. During this period, it became increasingly difficult to remain independent, as large journal packages began to swallow up more and more of each library’s budget. Getting into a Big Deal package provided financial stability as independent journals became much easier for libraries to cancel than large packages of hundreds or thousands of journals. Over this period, the top 5 largest publisher increased their share of the market from 39% to 49%, the top 10 largest increased from 47% to 58%, and the top 20 from 54% to 65%.” (Crotty, 2023)
  10. 40Siehe auch Godin (2006).
  11. 41Folgende Bereiche werden heute mengentheoretisch zueinander in Beziehung gesetzt: Informetrie als die Lehre der Quantifizierung bzw. Messung von Informationen enthält als Obermenge unter anderem die Szientometrie (Lehre vom Messen wissenschaftlicher Aktivitäten), in Bezug auf welche die Bibliometrie (Lehre vom Messen von Publikationen) wiederum als echte Teilmenge gesehen werden kann, da Publikationen nur einen Teil der wissenschaftlichen Aktivitäten darstellen.
  12. 42Clarivate bildet unter den führenden Konzernen eine Ausnahme, weil er selbst keine wissenschaftlichen Zeitschriften besitzt.
  13. 43https://www.elsevier.com/products/scopus. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  14. 44https://blog.scopus.com/posts/scopus-ai-release-may-2024. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  15. 45https://www.dimensions.ai/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  16. 46https://holtzbrinck.com/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  17. 47https://www.altmetric.com/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  18. 48https://www.crossref.org/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  19. 49Hirschi (2018); Larivière & Sugimoto (2019); Wouters & Costas (2012); Lewandowski (2006). Fühles- Ubach & Tunger (2021, 6) explizieren das mit Verweis auf eine frühere Arbeit (Ball et al. 2009): „Der Impact Factor ist kein Maß für wissenschaftliche Wahrnehmung von Personen oder Institutionen, denn er lässt keine Aussage zu Einzelveröffentlichungen zu. Der Impact Factor ist die durchschnittliche Zitationsrate für Journals. Eine Einzelveröffentlichung, selbst in absoluten TOP-Journals wie Science oder Nature, kann am Ende unzitiert bleiben oder die Publikation ist das absolute TOP-Paper und ist um ein Vielfaches häufiger zitiert. Zitationsverteilungen sind extrem schiefe Verteilungen. Es braucht den Einsatz durchaus existierender, aber noch wenig bekannter Indikatoren, wie zum Beispiel Feld- oder Journalnormalisierungen, die weitaus belastbarere Aussagen zu Output und Impact ermöglichen als beispielsweise einfache Indikatoren wie der h-Index.“
    Die DFG schreibt 2022: „Generell weisen Metriken hinsichtlich der Produktivitätsmessung von Wissenschaft viele Schwächen auf [...]. Auf die Schwächen hinsichtlich der Messung der Qualität von Artikeln hat bereits C. Hoeffel (Hoeffel, 1998) hingewiesen; Eugene Garfield, einer der Begründer des Journal Impact Factor, verweist bereits 1955 in seinen grundlegenden Gedanken darauf, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Anspruch haben sollten, Literatur nicht nur auf der Basis bibliografischer Indizes wahrzunehmen, sondern durch organisiertes und umfassendes Lesen (Garfield, 1955). Vor diesem Hintergrund erscheint es als nicht zielführend, wenn Metriken über ihre Funktion als Orientierungshilfe hinaus bei der Einschätzung einer wissenschaftlichen Leistung dominieren oder sogar die alleinige Basis für eine solche Einschätzung darstellen.“ (DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft | AG Publikationswesen, 2022, 35, Herv. YF)
  20. 50Der h-Index, Hirsch-Index, auch Hirsch-Faktor oder -Koeffizient, benannt nach Jorge Hirsch, misst die Zitierhäufigkeit einer Person (oder auch größere Einheiten mit gemeinsamen Merkmalen, Arbeitsgruppen, Institutionen etc.). Der h-Index gibt die höchste Anzahl derjenigen Publikationen x an, die mindestens x Mal zitiert wurden. Er ist damit aussagekräftiger als allein die Publikationszahl und will statistische Ausreißer einfangen. Umstritten ist der h-Index unter anderem durch seine leichte Manipulierbarkeit und die Eigenschaft, im Laufe der Zeit, also der wissenschaftlichen Tätigkeit der Person, anzusteigen. (Sidiropoulos et al. (2007); Batista et al. (2006); Gadd (2018)) Auch der h-Index sollte nicht als einziger Indikator verwendet werden.
  21. 51Siehe zum Beispiel Mongeon & Paul-Hus (2016) für die Abdeckungsschwierigkeiten von Disziplinen in WoS und Scopus.
  22. 52In den 1960er Jahren bezeichnete De Solla Price exponentielles Wachstum als ein “fundamental law of any analysis of science” Price (1963, 5). Er prognostizierte eine Verdoppelung der Publikationszahlen bzw. die Zahl der in Wissenschaft Tätigen alle zehn bis fünfzehn Jahre (ebd., 6, Differenzierung der Verdoppelungszahlen für verschiedene Wissenschaftsformate auf den Seiten 6-7).
  23. 53Z. B. das ZBIW-Seminar „Bibliometrie als Geschäftsfeld in Bibliotheken: Grundlagen von quantitativen Publikationsauswertungen“ im März 2023 an der TH Köln, zu dem auch ein Vertreter von Elsevier eingeladen wurde, um SciVal zu präsentieren. Alle Teilnehmenden der Veranstaltung erhielten danach Emails von Elsevier und zwar ohne Kenntnis über die Weitergabe ihrer Kontaktdaten.
  24. 54S. May (2014) für eine Übersicht der Bibliotheken, die bibliometrische Analysen durchführen bzw. in ihren Servicekatalog aufgenommen haben. 10 Jahre später haben deutlich mehr Bibliotheken bibliometrische Angebote für ihre Angehörigen.
  25. 55‚Benchmarking‘ steht für den Vergleich mit anderen in Bezug auf bestimmte Leistungen oder Aspekte.
  26. 56„Grundsätzlich gilt für Metriken genau wie für die Reputation des Publikationsortes: [...] Die Aussagekraft solcher sekundären Qualitätszuschreibungen für Bewertung und Vergleich wissenschaftlicher Leistung ist begrenzt und bei deren Anwendung sind bestimmte Rahmenbedingungen zu beachten. So sind sie nicht in allen und oft nur in eng begrenzten Fachgebieten akzeptiert und überhaupt vergleichbar. Bibliometrische Indikatoren wiederum sind leicht zu manipulieren, was insbesondere dann problematisch wird, wenn sie als Kennzahlen zur Grundlage von Zuweisungssystemen gemacht werden.“ (DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft | AG Publikationswesen, 2022, 27) S. auch European Commission. Directorate General for Research and Innovation. et al. (2017).
  27. 57www.timeshighereducation.com. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  28. 58www.topuniversities.com. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  29. 59https://www.shanghairanking.com/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  30. 60“Clarivate has a dominant position in international rankings in terms of the volume of data supplied even though it has no direct involvement in rankings. In contrast, Elsevier has had a sustained involvement in rankings since 2007 targeting partnerships with dominant rankings such as QS and THE as a way to present its products to universities as enabling their rankings performance. Given the increasing pressure faced by universities to perform bibliometrically, universities face pressure to adopt analytics tools promoted by the same data analytics companies which supply rankings.” (Chen & Chan, 2021, 18 Herv. YF) Siehe die grafische Darstellung der Beteiligung Elseviers an Ranking-Organen im Anhang, Abbildung 15.
  31. 61https://deal-konsortium.de/ueber-deal/organisation. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  32. 62Die Organisation des DEAL-Konsortiums hat sich seit dem ersten Vertrag 2019 verändert.
  33. 63https://www.coalition-s.org/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  34. 64‚Grünes‘ OA steht für die Archivierung bzw. Zweitveröffentlichung von an anderer Stelle nicht OA-publizierte Arbeit; ‚Gold‘ für bereits als OA publizierte Forschung.
  35. 65https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2022/info-wissenschaft-22-26. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  36. 66Council of the European Union (2023).
  37. 67https://www.nfdi.de. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  38. 68„Open access has made progress where the academic community is receptive (e.g. physics) or where research funders have issued firm mandates in the public interest (e.g. life sciences and medicine). To date, these examples remain the exception rather than the rule, and have led to the emergence of two parallel markets, rather than transformation of the subscription market. Gold-APC journals operate in a small, competitive and buyer-driven market, while the subscription market remains characterised by inelastic demand, and dominated by large commercial publishers. Cases of journals successfully transitioning, or ‘flipping’, from subscription to Gold-APC or Gold no-APC models remain few and far between.“ (Johnson et al., 2017, 4)
  39. 69https://www.coalition-s.org/blog/transformative-journals-analysis-from-the-2023-reports/. [zuletzt geprüft am 27.07.2024]
  40. 70https://esac-initiative.org/. [zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  41. 71https://esac-initiative.org/about/transformative-agreements/agreement-registry/.[zuletzt geprüft am 25.07.2024]
  42. 72Morais et al. (2019); Szprot et al. (2021); Farley et al. (2021); Brayman et al. (2024); Butler et al. (2023); Larsson (2023).

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